ÖVG stand im Zeichen von Verfügbarkeit und Digitalisierung

Die sogenannte „kleine“ Tagung der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft hatte starken Zustrom. Die rund 250 Teilnehmer, mehrheitlich aus der DACH-Region, beschäftigten sich mit der Verfügbarkeit der Infrastruktur. Natürlich darf das Thema 4.0 auch im Schienenverkehr nicht fehlen. Beim ältesten Verkehrsträger gibt es viel Nachholbedarf.

Die „Vernetzung“ in der DACH-Region: Deutsche, Schweizer und Österreicher versuchen gemeinsame Ansätze zu finden. Dr. Roland Bosch, CFO DB Netz AG, sprach von einem Volumen von € 28 Mio. für den Netzausbau und die Erneuerung innerhalb der nächsten fünf Jahre. Lic. iur. Philippe Gauderon, Leiter Infrastruktur SBB, fokussierte sich auf die Kernaussage: „Unterhaltsarbeiten rechtzeitig, sonst wird es teuer!“

Die Technische Universität bietet mehr als nur den Rahmen durch den Veranstaltungsort Graz. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Peter Veit beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Wirtschaftlichkeit und Life-Cycle Costs. Diesmal zeigte er auf, wie wichtig es ist, die Verfügbarkeit monetär zu bewerten. Doch wie? Sein Wertansatz zum Kalkulationsmodell ergibt sich aus der Nichtverfügbarkeit des Fahrwegs mit all seinen Auswirkungen, wie Verspätungen, Umleitungen oder Schienenersatzverkehren.

Predictive Maintenance für höhere Verfügbarkeit

Bei den ÖBB ist es bewährter Standard, Messdaten der Gleisgeometrie in einer Gleisgeometriedatenbank Langzeitanalysen zu unterziehen. Gewonnen werden die Daten bei Messfahrten mit dem EM 250 (Elektrotechnischer Messwagen) oder bei Instandhaltungs- und Baumaßnahmen. Aus Verlaufsinformationen lassen sich mit Hilfe mathematischer Modelle Prognosen zur Planung von Erhaltungsmaßnahmen ableiten.

Die „Vorbeugung“ ist das im Laufe der Veranstaltung immer wieder formulierte Ziel der Infrastrukturbetreiber. Gerade die Erfahrungen der letzten Jahre haben eindeutig bestätigt, dass der Aufschub im Unterhalt der Anlagen seinen Tribut fordert:

„Die Konsequenzen nicht durchgeführten Stopfens zeigen sich in unruhiger Gleislage, gefolgt von viel zu schnell alternden Anlagen und deren unerwartetem, vorzeitigem Versagen. Das damit einhergehende Nichterreichen der wirtschaftlichen Nutzungsdauer führt ohne ausreichende Erneuerungsmenge zu teurem Nachholbedarf, welcher per Definition zu Verfügbarkeitseinschränkungen und zusätzlichem Unterhalt tendiert.“ meinte Dipl.-Ing. Ingolf Nerlich, Asset Management Track SBB.

Die DB AG öffnet sich der „Digitalen Revolution“ mit dem Ansatz „MindBox“, einem kreativen Raum, der der traditionellen Rail-Industrie neue Impulse liefern soll. Erste Erfahrungen zeigen positive Einflüsse von innovativen Start-ups für die Bahn.

DI Dr. Matthias Landgraf, Senior Scientist aus Graz, stellte den Weg von der Messdatenanalyse zum Anlagenmanagement dar. Mit Hilfe der Fraktalanalyse der vertikalen Gleisgeometrie wird der Fehler in verschiedenen Wellenlängenbereichen näher bestimmt. Kurzwellige Fehler weisen auf eine entstehende Problematik in der Interaktion zwischen Schwelle und Schotter hin. Mittelwellige Fehler zeigen eine fortgeschrittene Schotterverschmutzung an, während langwellige Fehler die Tragfähigkeit und damit den Zustand des Unterbaus beschreiben.

DI Dr. Florian Auer zeigt, wie Plasser & Theurer die Digitalisierung 4.0 nutzt. Neue Möglichkeiten bringt die PlasserSmartMaintenanceSuite: Gleismessdaten, Arbeitsparameter und weitere Daten der Stopfmaschine werden zentral gespeichert, sie stehen unmittelbar und ortsunabhängig für weitere Analysen bereit. Mit dem neuen Produkt PlasserSmartTamping – TheAssistant ist es erstmals möglich, eine Weiche vollautomatisch zu stopfen. Der Bediener bestätigt nur noch die Vorschläge des Assistenzsystems.

Bei internationalen Beiträgen war Großbritannien mit dem Anlagenmanagement im Hochgeschwindigkeitsprojekt HS2 vertreten, die koreanischen Hochgeschwindigkeitsbahnen, die mit ihren Ausbauplänen auch für die Olympischen Winterspiele 2018 wichtig sind, sowie die kanadische Bahn.

James McLeod, P.Eng. von Canadian National Railway, hat den hohen Stellenwert von Sofortmaßnahmen nach Naturkatastrophen wie Felsstürzen oder dem Einsturz von Brücken aufgezeigt. Oberstes Ziel ist es, die Eisenbahninfrastruktur so schnell wie möglich wiederherzustellen, um den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten.

Eisabwurf und Schotterflug im Winter

Im abschließenden Themenblock gab ein gemeinsamer Vortrag von ÖBB, TU-Wien und Universität Innsbruck Einblick in das Problem des Eisabwurfes bei winterlichen Temperaturen und den damit manchmal auftretenden Schotterflug. Einige Lösungsvorschläge sind: Absenkung des Schotterbettes zwischen den Schwellen, Reduzierung der Geschwindigkeit auf 160 km/h und Aufbringung eines Anstriches oder chemische oder mechanische Beseitigung von Eisanhaftungen. 2014 bis 2016 gab es dazu umfassende wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen des Forschungsprojektes „FlyRock“.

Diese ÖVG-Tagung stellte einmal mehr eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des Systems Bahn dar. Die Digitalisierung bietet neue Chancen für das Infrastrukturmanagement. Sie bringt für die Bahn und deren Zulieferer jedoch auch neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Die Daten müssen systematisch und standardisiert strukturiert werden, um deren Qualität und Nutzbarkeit sicherzustellen. Die fachgerechte Auswertung wird dabei helfen, mit präventiven Maßnahmen eine Produktivitätssteigerung für den Fahrweg zu erreichen.

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