Die Generalsanierung der Riedbahn im Jahr 2024 war das Pilotprojekt für die Generalsanierung von mehr als 40 Korridoren der Deutschen Bahn bis 2030. Unser Messfahrzeug EM100VT lieferte die gesamte Datenbasis für einen erweiterten digitalen Zwilling, der sowohl den Bestand abbildet als auch die Basis für die gesamte Planung darstellt.

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Vermessene Strecke

Pilotprojekt für viele Sanierungsmaßnahmen

Die Deutsche Bahn plant, in den nächsten Jahren über 40 Korridore zu sanieren und mehr als 4.000 Streckenkilometer zum Hochleistungsnetz auszubauen. Die Riedbahn, eine rund 70 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim, dient dabei als Pilotprojekt. Pro Tag passieren rund 300 Züge des Fern-, Güter- und Nahverkehrs die Gleise. Die Auslastung beträgt auf einzelnen Abschnitten des Korridors über 150 Prozent. Verspätungen, die hier entstehen, wirken sich auf das gesamte deutsche Schienennetz aus. 

Kinematische Erfassung als Grundlage für die BIM-Bestandsmodellierung

Im Juni 2024 wurde die gesamte Strecke mit unserem Multisensorfahrzeug EM100VT präzise georeferenziert erfasst. In einer Messfahrt wurden sowohl die gesamten Messdaten des Gleises als auch eine Punktwolke der Umgebung hochgenau aufgenommen. Wesentliche Vorteile dieses Komplettpakets sind die enorme Zeitersparnis, die gleichbleibende, konstante Qualität sowie die Weiterverwendbarkeit der Daten über das Bauvorhaben hinaus. Hervorzuheben ist die Sicherheit durch weniger Personen am Gleis und die weitgehende Wetterunabhängigkeit.

Die kinematische Erfassung mit unserem EM100VT bildet die Grundlage für ein hochpräzises digitales Bestandsmodell (BIM – Building Information Modeling). Auf Basis dieses Modells können Gleise digital und BIM-konform geplant werden, das heißt, die geplante Infrastruktur in den Bestand zu integrieren. 

Konventionelle Methoden stoßen dabei schnell an ihre Grenzen, insbesondere bei umfangreichen Eingriffen in die bestehende Eisenbahninfrastruktur. Die von uns ermittelten hochpräzisen Punktwolken und umfangreiche Fotos ermöglichen eine sehr präzise BIM-Bestandsmodellierung und -Visualisierung.

Das optimale Abbild der Strecke durch die eingefärbte Punktwolke macht die virtuelle Begehung vom Büro aus möglich. Viele Begehungsschichten – im Fall der Riedbahn 30 bis 60 – können so eingespart werden. Der Zeitbedarf für die virtuellen Begehungen ist ca. 15-mal niedriger als bei einer Begehung durch das Personal – und das ohne Gleissperren und Sicherungsaufwand.

Moderne Planungsmethoden erfordern moderne Gleisvermessung und Sensorik

Erst durch Verknüpfung der kinematischen Bestandserfassung mit richtlinienkonformer Gleisvermessung ermöglicht die digitale Gleisplanung ein hochpräzises, ganzheitliches Bestandsmodell, das alle Anforderungen der Infrastrukturbetreiber erfüllt und universell einsetzbar ist.

Auf Basis der Aufnahme der Umgebung erstellte die Firma OBERMEYER für die weitere Projektplanung eine digitale Koordinierungsumgebung der gesamten Strecke als erweiterten digitalen Zwilling. Diese Umgebung bildet nicht nur den aktuellen Bestand ab, sondern darin wird auch die gesamte Projektplanung koordiniert. Hochpräzise Daten sind daher eine essenzielle Voraussetzung.

Die Datenbasis bleibt für immer vorhanden und kann nach der Realisierung des Projekts für das weitere Datenmanagement der Infrastruktur genutzt werden – ein nachhaltiger Mehrwert für Infrastrukturbetreiber.

Für den Hochleistungskorridor Riedbahn haben wir in einem Tag die durchgehenden Hauptgleise sowie die Umgebung mit dem EM100VT kinematisch in absoluter Genauigkeit aufgenommen. Somit mussten die Gleisanlagen für die Vermessung der Gleislage nicht betreten werden. Moderne Planungsmethoden erfordern die moderne Gleisvermessung und Sensorik, die der EM100VT bietet.

Marc Kückmann, Leiter der OBERMEYER-Niederlassung Karlsruhe und Leiter des DRS Alliance-Produkts Smart Design

Blick aus dem Fahrstand des EM100VT
© OBERMEYER Infrastruktur, Marc Kückmann

5 Monate Sperre, 70 km Strecke und 150 Weichen

Mit der Generalsanierung der Riedbahn bündelte die Deutsche Bahn erstmals auf einem hoch ausgelasteten Korridor alle geplanten Baumaßnahmen der kommenden Jahre innerhalb einer Streckensperrung. Ein enormes Bauprogramm wurde umgesetzt – in nur fünf Monaten Generalsanierung mehr als viermal so viel Bauvolumen wie bei vergleichbaren Großprojekten und „unter dem rollenden Rad“ in der Vergangenheit. Präzise aufeinander abgestimmte Planung der Logistik und des Bauablaufs war essenziell für das Gelingen dieses Pilotprojekts.

Seit dem 15. Dezember 2024 rollen wieder die Züge auf einer der meistbefahrenen Strecken Deutschlands. Fünf Monate Vollsperrung und zahlreiche vorbereitende Maßnahmen waren nötig, um die Generalsanierung der Riedbahn zum Erfolg zu führen.

Projektdaten

ProjektbeschreibungErstellung der digitalen Koordinierungsumgebung (BIM)
InfrastrukturbetreiberDeutsche Bahn
MaschinentypEM100VT
Vermessene Strecke70 km
Vermessene Weichen150
Eingesparte Begehungsschichten30 bis 60
Leistungen
  • Aufstellen eines Messkonzepts
  • Gleisgeometrisches Aufmaß zur gleisgeometrischen Bearbeitung von Gleisen und Weichen, Aufbereitung der erfassten Messdaten, Georadaraufnahme
  • Hochgenaue, digitale, kinematische Vermessung der Gleislage mit dem EM100VT für 50 km zweigleisige Hauptstrecke
  • Aufnahme des Bettungszustands, Ermittlung der Durchfeuchtung und der Schichtverläufe

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